Als Freelancer oder Einzelunternehmer in Österreich bist du für deine eigene Sozialversicherung und Steuer zuständig. Das macht die Frage „Was soll ich verlangen?“ deutlich komplizierter als bei Angestellten — und die meisten unterschätzen ihren nötigen Tagessatz erheblich.
Warum der Brutto-Vergleich mit Angestellten trügt
Ein Angestellter mit €4.000 Brutto hat etwa €2.650 netto. Als Freelancer musst du aus deinem Honorar bezahlen:
- SVS-Beiträge (~26,8 % auf den Gewinn)
- Einkommensteuer auf den verbleibenden Gewinn
- Keine Urlaubs- und Krankenstandsfortzahlung
- Akquise-Leerlauf, Verwaltung, Weiterbildung
Als Faustregel gilt: Ein Freelancer muss mindestens das 1,5- bis 2-fache des Brutto-Gehalts eines vergleichbaren Angestellten verlangen, bevor irgendetwas berechnet wurde.
Die Rückwärtsrechnung: So funktioniert es
Statt von oben nach unten zu rechnen (Tagessatz minus Steuern = Netto), beginnt die saubere Methode mit dem gewünschten Nettoeinkommen:
- Gewünschtes Jahresnetto festlegen — z.B. €40.000
- Einkommensteuer hinzurechnen — bei €40.000 netto liegt der Gewinn vor Steuer bei rund €55.000 (progressiver Tarif 2025)
- SVS-Beiträge draufrechnen — bei ~26,8 % kommen nochmal ca. €18.000 dazu
- Ergibt einen benötigten Jahresumsatz von ~€73.000
- Geteilt durch fakturierbare Tage (~200) = Tagessatz ~€365
SVS-Beiträge: Was Freelancer 2025 zahlen
Die Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen (SVS) deckt Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung ab. Der Gesamtbeitragssatz für GSVG-Versicherte beträgt 2025 rund 26,8 % auf den Gewinn.
- Krankenversicherung: 7,65 %
- Pensionsversicherung: 18,5 %
- Unfallversicherung: ca. €8,03/Monat (Fixbetrag)
Im ersten Jahr zahlt die SVS Mindestbeiträge auf Basis einer pauschalen Beitragsgrundlage (~€518/Monat). Läuft der erste Steuerbescheid ein, wird die Differenz nachverrechnet.
Einkommensteuer 2025 für Einzelunternehmer
Die Steuer wird auf den Gewinn berechnet (Einnahmen minus Betriebsausgaben, minus SVS-Beiträge):
- Bis €12.816: 0 %
- €12.817–€20.818: 20 %
- €20.819–€34.513: 30 %
- €34.514–€66.612: 40 %
- €66.613–€99.266: 48 %
- Über €99.266: 50 %
Betriebsausgaben wie Home-Office, Hardware, Fachliteratur oder Fahrtkosten senken den steuerpflichtigen Gewinn — und damit auch die SVS-Beiträge.
Wieviele Tage kannst du tatsächlich fakturieren?
In der Praxis bleiben nach Urlaub (25 Tage), Krankenstand (~7 Tage), Feiertagen (13 in Österreich) und Akquise/Verwaltung (15–20 Tage) nur rund 190–210 fakturierbare Tage übrig. Bei 200 statt 250 Tagen muss der Tagessatz um 25 % höher sein, um dasselbe Jahresnetto zu erreichen.
Richtwerte für Tagessätze in Österreich 2025
- IT / Software-Entwicklung: €600–€1.200/Tag
- Unternehmensberatung: €800–€1.500/Tag
- Design / UX: €450–€850/Tag
- Marketing / Content: €400–€800/Tag
- Buchhaltung / Controlling: €350–€650/Tag
Werte variieren stark nach Erfahrung, Spezialisierung und Marktsegment.
Stundensatz oder Tagessatz?
Faustregel: Tagessatz ÷ 7 (effektive Arbeitsstunden). Bei einem Tagessatz von €700 entspricht das €100/Stunde. Für Projekte mit unklarem Scope empfiehlt sich Tagessatz mit Stundenabrechnung — das schützt vor Scope Creep.